Resilienz

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Warum Stärke allein nicht reicht.

Resilienz gehört zu den Begriffen, die in der modernen Arbeitswelt ständig fallen und gleichzeitig oft missverstanden werden. In Führungskräfteentwicklung, Unternehmenskommunikation und gut gemeinten Ratschlägen klingt es schnell so: „Du musst resilienter werden.“ Als wäre Resilienz ein Zustand, den man irgendwann erreicht. Ein Muskel, der stark genug wird, damit einen nichts mehr umwirft.

Gerade für Frauen in Führung – egal, ob in der ersten Führungsrolle, auf dem Weg nach oben, in einer beruflichen Neuorientierung oder beim Schritt in die Selbstständigkeit – ist dieses Missverständnis besonders relevant. Denn Resilienz wird häufig mit Durchhalten verwechselt, mit Funktionieren, mit Starksein, obwohl längst alles zu viel ist.

Doch genau darin liegt das Problem. Wer glaubt, resiliente Menschen fallen nicht, wird sich schämen, wenn sie fällt. Wer glaubt, Resilienz bedeute, immer stark zu sein, wird sich schwach fühlen, wenn sie Unterstützung braucht. Und wer Resilienz als Charaktereigenschaft versteht, geht davon aus, sie entweder zu haben oder eben nicht.

Nichts davon stimmt. Resilienz ist keine Eigenschaft. Sie ist eine Fähigkeit. Und Fähigkeiten kann man entwickeln. Schritt für Schritt, nicht auf einmal.

Was Resilienz wirklich bedeutet

Resilienz ist nicht die Abwesenheit von Schwierigkeiten. Sie ist die Fähigkeit, trotz Schwierigkeiten handlungsfähig zu bleiben und sich nach Belastung zu regenerieren. Das bedeutet konkret: Resiliente Frauen fallen, sie erleben Krisen, Erschöpfungsphasen, Selbstzweifel und Momente, in denen alles zu viel wird. Der Unterschied liegt nicht darin, nicht zu fallen. Er liegt darin, was danach möglich wird.

Aus ACT-Perspektive kommt eine entscheidende Ergänzung dazu: Resilienz entsteht nicht dadurch, schwierige Gedanken und Gefühle zu vermeiden, sondern sie entsteht durch die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen. Durch Akzeptanz – nicht im Sinne von Resignation, sondern im Sinne von: „Ich lasse das da sein, ohne dagegen anzukämpfen, und handle trotzdem.“ Diese psychologische Flexibilität ist gerade für Frauen in Führung ein zentraler Schlüssel.

Warum Resilienz für Frauen in Führung anders gedacht werden muss

Frauen erleben Führung oft unter besonderen Bedingungen. Wer die erste Führungsrolle übernimmt, muss sich häufig beweisen, ohne sich selbst zu überfordern. Wer aufsteigen will, bewegt sich zwischen Sichtbarkeit, Anspruch und der Frage, wie viel Anpassung noch gesund ist. Wer aus einer Organisation aussteigt und den Weg in die Selbstständigkeit wählt, braucht Mut, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten. Und manchmal bedeutet Führung auch, einen ganz anderen Weg einzuschlagen jenseits klassischer Karrierebilder.

In all diesen Situationen reicht es nicht, einfach „stärker“ zu werden. Resilienz bedeutet nicht, noch mehr auszuhalten. Sie bedeutet, die eigene Energie, Klarheit und Handlungsfähigkeit bewusst zu schützen. Sie ist damit keine private Optimierungsaufgabe, sondern eine Führungsressource.

Die fünf Säulen, die wirklich tragen

1. Selbstwahrnehmung. Wer merkt, dass es zu viel wird, bevor der Körper stoppen muss, führt sich selbst bewusster. Dazu gehört, die eigenen Muster zu kennen: Welche Gedanken lähmen mich? Welche Erwartungen treiben mich? Wo verwechsle ich Verantwortung mit Selbstüberforderung?

2. Akzeptanz ohne Resignation. Schwierige Situationen annehmen zu können, bedeutet nicht, sie gutzuheißen. Es bedeutet, Energie nicht im inneren Widerstand zu verlieren, sondern für das zu nutzen, was veränderbar ist.

3. Werteklarheit. Wer weiß, was ihr wichtig ist, hat auch in unsicheren Phasen einen inneren Kompass. Das ist besonders relevant bei Karriereschritten, Führungsentscheidungen oder dem Wunsch, beruflich neue Wege zu gehen.

4. Verbindung. Resilienz ist kein Einzelsport. Frauen, die Unterstützung annehmen können – von Kolleginnen, Netzwerken, Freundinnen, Mentorinnen oder professioneller Begleitung – sind nicht weniger stark. Sie sind klug verbunden.

5. Regeneration als Strategie. Regeneration ist keine Belohnung für gute Leistung. Sie ist die Voraussetzung dafür. Wer dauerhaft keine Kapazität hat, reagiert nur noch statt bewusst zu führen, zu entscheiden und zu gestalten.

Was Resilienz nicht ist

Resilienz ist nicht, niemals zu zweifeln. Nicht, immer einen klaren Kopf zu behalten. Nicht, Verletzlichkeit zu verstecken oder jede Belastung souverän wegzulächeln. Resilienz ist auch nicht, besonders schnell wieder zu funktionieren. Manche Situationen brauchen Zeit. Manche Entscheidungen brauchen Verarbeitung. Manche Umbrüche brauchen Raum.

Was ich von Frauen in Führungsrollen immer wieder höre: „Ich muss resilienter werden.“ Und was häufig gemeint ist: „Ich muss aufhören, dass mich Dinge berühren.“ Doch genau das ist das Missverständnis. Dinge dürfen berühren. Das macht Führung nicht schwächer, sondern menschlicher. Resilienz bedeutet nicht, unberührbar zu sein. Sie bedeutet, berührt werden zu können und dennoch zu wissen, wie du wieder in deine Kraft kommst.

Stark sein ist überschätzt. Elastisch sein ist das Ziel. Was sich biegen kann, bricht nicht so leicht.

🗣️ Impuls zum Mitnehmen: Wenn du gerade an einem Wendepunkt stehst – erste Führungsrolle, nächster Aufstieg, Selbstständigkeit oder ein ganz anderer beruflicher Schritt –, frag dich nicht nur: „Wie halte ich das durch?“ Frag dich auch: „Was brauche ich, um klar, verbunden und handlungsfähig zu bleiben?“ Genau dort beginnt echte Resilienz.

💌 Mehr Impulse zu Resilienz, Frauen in Führung und bewusster Karrieregestaltung teile ich alle zwei Wochen in meinen Mindnotes. Wenn du weiterlesen möchtest, melde dich hier an. 

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